10. Januar 2022 und ein guter Vorsatz

Der 10. Januar ist der erste Arbeitstag für mich in diesem Jahr. Für die Kinder ist es der erste Schultag nach dem Jahreswechsel und den obligatorischen Ferien. Und keiner von uns schaut hundertprozentig optimistisch in die Zukunft der nächsten Tage. Corona hat das Land und damit uns nach wie vor fest im Griff. Das ändern auch jene Mitmenschen nicht, die seit Monaten gegen Maßnahmen demonstrieren, die vielleicht ursächlich dafür sind, dass sie physisch überhaupt in der Lage sind zu demonstrieren und nicht zu jenen Mitmenschen gehören die bedauerlicherweise mit schwerer Corona-Erkrankung in Krankenhäusern oder gar auf dortigen Intensivstationen verbringen.

Ein Verwandter ist Oberarzt auf einer Intensivstation in einem deutschen Krankenhaus. Er bestätigt alles, was man an vernünftigen Argumenten in den Medien hört, liest, sieht. Warum das zu manchen der Demonstrierenden nicht als Wahrheit durchdringt macht mir Sorge. Eine Ignoranz der Wahrheit wie ich/wir sie hier erlebe/n ruft in mir stets das Bild der mittelalterlichen Kirche hervor zur Frage, ob die Sonne nun die Erde umkreise oder andersherum, wobei ich den Kirchenvertretern von damals zugute halten muss, dass das allgemeine verfügbare Wissen weiß Gott nicht so breit verbreitet war wie heute, im 21. Jahrhundert, Wissen verbreitet ist.

Kognitive Dissonanz ist keine Lösung, wenn es um die Gesundheit vieler geht. Kognitive Dissonanz ist vielleicht für viele Menschen noch tolerierbar, wenn es um die Gesundheit eines einzelnen Unbekannten oder nur entfernt Bekannten geht. Bei nahen und geliebten Verwandten und Befreundeten begegnet der gesunde Menschenverstand, erst recht wenn er halbwegs gebildet ist (und das sind wir doch wohl fast alle), der kognitiven Dissonanz im Hinblick auf die Gesundheit des Betroffenen sehr zügig mit freundlich / freundschaftlich klaren Ansagen. Man nimmt es doch nicht hin und lässt den geliebten Menschen zum Bergwandern auf die alpinen 3000er aufbrechen, wenn er gerade eben eine Herzinfarkt überlebt hat, oder? Also, nur als ein mögliches Beispiel.

Wir stehen mit dem Neueintritt in die diesjährige Schul- und Arbeits-Welt definitiv auch wieder Corona-bedingten Einschränkungen und Zusatzbelastungen gegenüber.

Die Kinder werden zumindest in der ersten Schulwoche täglich getestet. Hoffen wir mal, das die Test-Kits als solche eine gute Qualität haben und der Test damit nicht im Blindflug läuft (entsprechende Diskussionen über mangelnde Qualität unterschiedlicher Test-Kits hörte ich heute im Radio). Die Schulen offen zu halten als hoch gewichtetes Ziel ist ja immerhin grundsätzlich begrüßenswert. Aber auch hier: Grundsätzlich heißt ja nicht, man bleibt im Klassenzimmer wenn es brennt 😉 Die Frage der Schul-Offenhaltung ist also ganz grundsätzlich die Frage nach der Corona-bedingten Definition von „es brennt“.

Mein Job ist im Büro angesiedelt und hat viel mit zwischenmenschlicher Kommunikation mit Kollegen rund um den Globus zu tun: also viele Telefonate, Online Konferenzen (schon allein wegen der Entfernungen zwischen den Menschen!!! Nicht zwingend Corona-bedingt!!!), E-Mails, Chat und zwischendurch mal eben schnell etwas aufschreiben, entwerfen, designen (kann man fast nennen wie man will 🙂 ). Für solche Art Arbeit ist Home-Office in Zeiten mit Corona die sicherste Form der Arbeit. Zumal die Ausstattung daheim nicht von schlechten Eltern ist. Und ja, mir ist bewusst, dass ich ganz persönlich hinsichtlich meiner Ausstattung daheim im Vergleich mit ganz vielen anderen Betroffenen der reine Luxus ist. Aber Luxus hin oder her, es geht meinem Arbeitgeber (… der meine Arbeitsleistung entgegennimmt) in erster Linie um Sicherheit im Sinne von Gesundheitsschutz und Kontaktminimierung. Insofern ist Home-Office angesagt. Und meine Prognose ist, dass vor Mitte/Ende April 2022 diesbezüglich keine Lockerung kommt.

Die Schulzeit und die Arbeit ist ja aber nicht nur die eine Hälfte des Lebens. Und ja, damit haben viele der Demonstrierenden Recht: Das Leben als Ganzes ist mit Bürden und Einschränkungen belegt. Fakt! Und insofern meine Prognose für meine Arbeitswelt getroffen ist, so muss ich der Wahrheit wohl ins Auge sehen und anerkennen, was ich selbst nicht ändern, sondern allenfalls durch mein Verhalten beeinflussen kann: Weiterhin Kontakte so weit es eben geht vermeiden und Regeln befolgen, die für unsere, also auch meine, Gesundheit aufgestellt wurden.

Und wir werden im Kreise der Familie weiter an unserem Regelkanon arbeiten und ihn auch ggf. an neue Erkenntnisse und Gegebenheiten anpassen. Allein das macht mich und meine Familie in den Augen einiger Zeitgenossen hochgradig verdächtig, wenn man Regeln laufend anpasst, dass sind die Regeln grundsätzlich in Frage zu stellen. Denen möchte ich ein freundliche MITNICHTEN entgegenrufen. Es sieht in Wahrheit nur so aus, als seien nur solche Regeln gute Regeln, die auch in Stein gemeißelt sind. Es gab schon immer Regelanpassungen. Wir fahren aus guten Gründen inzwischen mit dem angelegten Sicherheitsgurt Auto! Ich bin zumindest schon so alt, dass ich die Zeit ohne Gurtpflicht noch kenne. Auch Fußballspiele ohne eine Abseitsregel sind mir noch ein Begriff. Und selbst so stabile Regularien wie Gesetze werden doch angepasst. Nichts anderes ist es, wenn ein neues Gesetz erlassen wird. Und ja, man kann sich und meistens muss man sich genau darüber streiten, das nennt man in demokratisch verfassten Gesellschaften Debatte und ist eine kulturelle Errungenschaft. Vor nicht all zu langer Zeit hat man nicht debattiert sondern stattdessen gemordet oder Krieg geführt.

Ich ziehe die kulturell abgerüstete Vorgehensweise vor, wissend, dass es manchmal unbefriedigend und viel zu häufig kompromissbeladen ausgeht. Und so, und das ist mein Ausblick für mich selbst im Januar 2022, will ich versuchen mit mir selbst im Sinne kulturvoller Auseinandersetzung und Abwägung im Reinen zu bleiben. Wenn es sein muss, werde ich auch wie ein Kesselflicker schimpfen und die Welt (durchaus lautstark und hoch emotional !! ) verfluchen. Das dient der Entlastung des Gemüts und kann durchaus gesundheitlich von Vorteil sein – für mich. Hernach werde ich wohl wieder ganz ruhig die Argumente sprechen lassen und sie wiegen, und für mich abwägen, welches mehr Gewicht haben mag.

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